Klaudia Dietewich – 20 Jahre Spurensuche

20 Jahre SPURENSUCHE

Jubiläumsausstellung von Klaudia Dietewich

Seit zwei Jahrzehnten ist die Stuttgarter Künstlerin Klaudia Dietewich auf Spurensuche – mit Kamera, Fahrrad und einem wachen Blick für das, was andere oft übersehen. Aus alltäglichen Abnutzungen, Rissen, Schrammen, Kratzern oder Verwerfungen im Asphalt entstehen ihre „Wegstücke“: poetische Bildspuren, die urbane Geschichten erzählen und Vergänglichkeit sichtbar machen.

Was 2006 mit ersten Schwarz-Weiß-Fotografien und Siebdrucken begann, entwickelte sich zu einem künstlerischen Projekt von beeindruckender Weite. Auf ihren Reisen – von Europa bis in die Antarktis, von New York bis Japan – sammelt Dietewich Spuren, die sie nicht nur dokumentiert, sondern in einen neuen Kontext stellt. Ihre Werke sind zugleich Erinnerungsfragmente, Zeitzeugen und visuelle Metaphern für Bewegung, Veränderung und Erinnerungskultur.

Auftaktbild zum Jubiläum aus Dordrecht, Rotterdam (l.) und eine SPUR aus Stuttgart (r.)

Im Laufe der Jahre entstanden unterschiedliche Serien, die jeweils einen eigenen künstlerischen Schwerpunkt setzen und doch alle dem Prinzip der Spurensuche verpflichtet sind:

„50 Städte – 50 Spuren“
Ihr wohl bekanntestes Projekt: Entstanden für die internationale Organisation Mayors for Peace, als künstlerischer Appell gegen Atomwaffen und für den Schutz unserer Städte. Von Stuttgart ausgehend reiste die Ausstellung durch zahlreiche europäische Städte, nach Hiroshima und Nagasaki sowie bis nach Pittsburgh (USA). Jede Station fügte neue Spuren hinzu – ein globales Erinnerungsprojekt, das Stadtgeschichte und Friedensbewegung miteinander verbindet.

SPUR aus Koyasan, Japan (l.) und Hiroshima (r.)

„Flüchtige Landschaften“
Fotografien aus der Bretagne, die im Rhythmus von Ebbe und Flut entstehen. Hier ist es die Natur selbst, die den Takt vorgibt: mal gibt sie den Strand frei, mal löscht sie ihn vollständig aus – Spuren, die nur für kurze Augenblicke sichtbar bleiben.

„Vanishing Universe“
Arbeiten, die während einer Expedition in die Antarktis entstanden. Sie zeigen die fragile Schönheit einer bedrohten Welt und machen sichtbar, wie das scheinbar Ewige im Wandel begriffen ist.

Im Jahr 2020 ist die Serie „Vanishing Universe“ entstanden mit SPUREN aus der Antarktis.

„Metalimnion“
Eine Serie am Stuttgarter Kunstmuseum, die urbane Spuren zwischen architektonischer Ordnung und jugendlicher Aneignung sichtbar macht. Auch hier geht es um Grenzlinien – zwischen geplanter Architektur und gelebtem Stadtraum. SPUREN, die Klaudia Dietewich am ehemaligen Lichtband des Stuttgarter Kunstmuseums am Kleinen Schlossplatz eingefangen hat.

Auch der Titel verweist auf eine „Sprungschicht“ zwischen zwei Welten – hier die Grenze zwischen musealer Ordnung und urbaner Aneignung. Über Wochen dokumentierte die Künstlerin Spuren von Skateboards, Schuhsohlen, Glasbrüchen und Nachtleben auf den Glasplatten, die ursprünglich als Oberlicht für das Museum dienten. Da die Konstruktion den Belastungen des städtischen Alltags nicht standhielt, wurde sie in der Zwischenzeit entfernt. Die Fotografien bewahren diese vergänglichen Spuren und machen sie zu Zeitzeugen einer städtischen Kultur und gesellschaftlichen Debatte.

„Metalimnion“ – SPUREN aus der Vergangenheit – fotografiert am ehemaligen Lichtband des Stuttgarter Kunstmuseums am Kleinen Schlossplatz, Stuttgart.

„Wegstücke“ im öffentlichen Raum
Dazu zählen unter anderem die großformatige Installation in Mutlangen – an jenem Ort, an dem einst atomar bestückte Pershing-II-Raketen stationiert waren – sowie das dauerhaft installierte künstlerische Porträt des Rems-Murr-Kreises im Landratsamt Waiblingen.

Über die Jahre ist so ein vielschichtiges Werk entstanden, das lokale wie globale Bezüge aufgreift, persönliche Reiseerfahrungen ebenso wie politische Fragestellungen, und das die Oberfläche des Alltäglichen zu einem künstlerischen Archiv verwandelt.

2006 entstanden erste Fotos von Straßenspuren (l.), die ausschließlich schwarz/weiß als Siebdruckarbeiten umgesetzt wurden. Das rechte Bild zeigt den Fahrradschatten mit Asphaltspur aus Eccleshall, England.

Mit der Jubiläumsausstellung „20 Jahre SPURENSUCHE“ zeigt Klaudia Dietewich eine Auswahl ihrer wichtigsten Serien und Projekte.
Spuren aus aller Welt treten miteinander in Dialog – Erinnerungen an Orte, Zeiten und Begegnungen, die zugleich individuell und universell wirken.

Die Ausstellung läuft von Freitag, den 5. September bis 16. September und kann zu den Öffnungszeiten der Galerie besichtigt werden.

Herzliche Einladung zur Ausstellungseröffnung am
Freitag, 5. September 2025, zwischen 17 und 21 Uhr

 

Zur Serie „Flüchtige Landschaften“ ist ein 116-seitiger Kunst-Bildband erschienen:

>> Zum Buch

Zur Serie „Vanishing Universe“ ist ein 96-seitiger Kunst-Bildband erschienen:


>> Zum Buch